Touristische Angebote

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Einschlägige Gesetze

Grundgesetz

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, auch zu finden auf der Hauptseite dieses Wikis, wurde am 23. Mai 1949 ausgefertigt und bildete eine der wichtigsten gesetzlichen Grundlagen für die Gleichberechtigung behinderter Menschen im Alltag; also auch für Reise- und Kulturangebote. Für die Rechte Behinderter sind folgende Grundrechte von Bedeutung:

Artikel 1, Absatz I Satz 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar. - Hieraus kann abgeleitet werden, das auch Menschen mit Behinderung nicht an einer würdevollen, selbstbestimmten Lebensführung gehindert werden dürfen.

Artikel 3, Absatz I i. V. m. Absatz III Satz 2: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. [...] Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. - Die Gleichberechtigung behinderter Menschen wurde erst nachträglich im Grundgesetz verankert. Hieraus leiten sich alle weiteren gesetzlichen Regelungen zur Gleichstellung Behinderter ab.

Quelle: Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung gestellt vom Bundesministerium der Justiz in Zusammenarbeit mit der juris GmbH


Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen

Das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen (Behindertengleichstellungsgesetz - BGG) wurde am 27.04.2002 verabschiedet und trat am 01.05. des gleichen Jahres in Kraft. Es bildet die rechtliche Grundlage, die insbesondere Organe der öffentlichen Gewalt zur Gleichstellung Behinderter verpflichtet.Es hat zum Ziel im öffentlichen Raum Gleichberechtigung herzustellen durch die Umsetzung von Barrierefreiheit, sodass möglichst jeder behinderte Mensch seine Rechte wahrnehmen kann. Es wirkt insbesondere hin auf:

  • Benachteiligungsverbot für Träger öffentlicher Gewalt
  • Barrierefreiheit in den Bereichen Bauen und Verkehr
  • Recht auf Verwendung von Gebärdensprache und anderen Kommunikationshilfen
  • barrierefreie Gestaltung von Bescheiden und Vordrucken
  • barrierefreie Informationstechnik

Quelle: Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen zur Verfügung gestellt vom Bundesministerium der Justiz in Zusammenarbeit mit der juris GmbH


UN-Behindertenrechtskonvention

Mit dem Gesetz zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen vom 13. Dezember 2006 über die Rechte von Menschen mit Behinderungen, zu finden auf der Hauptseite dieses Wikis, sowie zu dem Fakultativprotokoll vom 13. Dezember 2006 zum Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vom 21. Dezember 2008 (BGBl. II S. 1419) hat der Bundestag mit Zustimmung des Bundesrates per Gesetz dem Übereinkommen zugestimmt. Bund und Länder sind danach aufgerufen, das Übereinkommen der Vereinten Nationen in Bundes- oder Landesrecht umzusetzen. Der völkerrechtliche Vertrag bzw. die UN-Konvention ist seit dem 26. März 2009 für Deutschland verbindlich.

Art. 30 UN-Behindertenrechtskonvention – Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen, gleichberechtigt am kulturellen Leben teilzunehmen und treffen alle geeigneten Maßnahmen, um sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen a) Zugang zu kulturellem Material in zugänglichen Formaten haben, b) Zugang zu Fernsehprogrammen, Filmen, Theatervorstellungen und anderen kulturellen Aktivitäten in zugänglichen Formaten haben, c) Zugang zu Orten kultureller Darbietungen oder Dienstleistungen, wie Theatern, Museen, Kinos, Bibliotheken und Tourismusdiensten, sowie, soweit wie möglich, zu Denkmälern und Stätten von nationaler kultureller Bedeutung haben. Mit dem Ziel, Menschen mit Behinderungen die gleichberechtigte Teilnahme an Erholungs-, Freizeit- und Sportaktivitäten zu ermöglichen, treffen die Vertragsstaaten geeignete Maßnahmen, um die Teilnahme an breitensportlichen Aktivitäten zu fördern, sicherzustellen, dass Menschen mit Behinderungen Zugang zu Sport-, Erholungs- und Tourismusstätten haben und Zugang zu Dienstleistungen der Organisatoren von Erholungs-, Tourismus-, Freizeit- und Sportaktivitäten haben.

Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen vom 13. Dezember 2006

Nationaler Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Deutschland hat als einer der ersten Staaten die UN-Behindertenrechtskonvention sowie das Zusatzprotokoll am 30. März 2007 gezeichnet und am 24. Februar 2009 ratifiziert. Damit wurden wichtige Weichen für eine inklusive Gesellschaft gestellt. Zur konkreten Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention hat die Bundesregierung einen Nationalen Aktionsplan erarbeitet, der die Ziele und Maßnahmen der Bundesregierung in einer Gesamtstrategie für die nächsten zehn Jahre zusammenfasst.

Der Nationale Aktionsplan der Bundesregierung zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention

Ausgewählte DIN-Normen

DIN 32975 Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung

Im Jahr 2009 ist die DIN 32975 erschienen. Sie regelt die Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum. Damit wird erstmalig definiert, was Barrierefreiheit aus der Sicht sehbehinderter Menschen ausmacht. Die Norm DIN 32975 enthält eine allgemeine Einführung mit Informationen zu den Themen Barrierefreiheit und Sehbehinderung. Es ist ein großer Erfolg, dass es endlich eine Barrierefreiheitsnorm für sehbehinderte Menschen gibt. Mit den einfach zu verstehenden Kontrast-Grenzwerten und den zur Verfügung gestellten Formeln und Schaubildern zur Ermittlung optimaler Beleuchtung und Zeichengröße und zur Gestaltung selbstleuchtender Anzeigen bietet die DIN 32975 der Praxis ein Modell an, mit dem nun zu arbeiten sein wird. Sicher ist die Norm nicht perfekt. Aber sie bietet eine Grundlage, um Erfahrungen zu sammeln, die zu gegebener Zeit in eine Weiterentwicklung einfließen können.

Barrierefreiheit durch Kontraste DIN 32975

DIN 32984 2011 - 10 Bodenindikatoren im öffentlichen Raum

Diese Norm legt Anforderungen an Bodenindikatoren und sonstige Leitelemente fest, um damit die Sicherheit und Mobilität blinder und sehbehinderter Menschen im öffentlichen Raum zu verbessern. In der Norm werden Form und Maße der Profile und der erforderliche Leuchtdichtekontrast der Bodenindikatoren festgelegt. Es werden Aussagen zu den Anforderungen an die taktile und visuelle Erkennbarkeit getroffen. Die Norm bestimmt die Anordnung von Bodenindikatoren und beschreibt die Nutzbarkeit sonstiger Leitelemente für blinde und sehbehinderte Menschen, zum Beispiel in öffentlich zugänglichen Einrichtungen, Gebäuden, Verkehrsanlagen sowie Straßenräumen, und zwar in den Bereichen, die für die Nutzung durch die Öffentlichkeit zugänglich sind. Bodenindikatoren werden dort eingebaut, wo keine andere Markierung von Gehbahnen und Gehflächen durch sonstige taktil und visuell klar erkennbare Leitelemente oder Leitlinien gegeben ist.

DIN 32984 Bodenindikatoren

Zielvereinbarung zur Barrierefreiheit im Gastgewerbe

Als erste bundesweite Zielvereinbarung zur Barrierefreiheit hat der DEHOGA Bundesverband gemeinsam mit dem Hotelverband Deutschland und den Interessensverbänden für behinderte Menschen auf der ITB 2005 Vorgaben für standardisierte Erfassungen, Bewertungen und Darstellungen barrierefreier Angebote in Hotellerie und Gastronomie der Öffentlichkeit vorgestellt.

Zielvereinbarung nach § 5 Behindertengleichstellungsgesetz

Hoteliers und Gastronomen, die zukünftig im Deutschen Hotelführer und dem IHA-Hotelführer "Hotels Deutschland" ihre barrierefreien Angebote darstellen möchten, müssen die vereinbarten Standards, die in fünf verschiedenen Kategorien die verschiedenen Behinderungsarten berücksichtigen, erfüllen. Ferner haben die neuen Kriterien für die Barrierefreiheit auch Eingang in die Fortschreibung der Deutschen Hotelklassifizierung in 2005 gefunden.

Im September 2010 wurde diese Zielvereinbarung weiterentwickelt und um eine neue Informationskategorie A-i ergänzt. Die Kategorie "A-i" gilt für Hotels und Restaurants, die auf bestimmte Bedürfnisse von gehbehinderten Gästen eingestellt sind, ohne die strengen Kriterien der Zielvereinbarung komplett zu erfüllen.

Mindeststandards

Die Mindeststandards für barrierefreie Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe für gehbehinderte Gäste und Rollstuhlnutzer, für blinde und sehbehinderte Gäste, für gehörlose und schwerhörige Gäste finden sie hier: Mindeststandards für die Kategorisierung barrierefreier Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe in Deutschland

Links zum Barrierefreien Tourismus

Ausgewählte Regionen und Städte

Harz
Der Harzer Tourismusverband informiert auf seiner Internetseite, wie Menschen mit und ohne Behinderung barrierefrei im Harz unterwegs sein können: http://www.harzinfo.de/service/barrierefrei-unterwegs.html

Magdeburg
In der Broschüre "Otto für alle - Barrierefreier Tourismus in Magdeburg" werden Sehenswürdigkeiten, Reiseangebote, Tipps für Stadtrundfahrten, Gaststätten und Hotels, Museen etc. ausgewiesen und durch entsprechende Symbole hinsichtlich ihrer Zugänglichkeit und Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung dargestellt. Otto für alle - Barrierefreier Tourismus in Magdeburg

Halberstadt
Halberstadt Information wirbt auf seiner Seite für den barrierefreien Tourismus. So z. B. mit dem Stadtführer für Menschen mit Handicap, dem Stadtführer für Rollstuhlfahrer, mit Behindertenparkplätzen oder entsprechenden Downloads. Barrierefreiheit ist nicht nur für behinderte Menschen Voraussetzung eines selbstbestimmten Lebens und eines stressfreien Urlaubs. "Auch andere mobilitätseingeschränkte Personengruppen, zum Beispiel Eltern mit Kleinkindern, Unfallgeschädigte oder Senioren, profitieren von Maßnahmen der Barrierefreiheit." http://www.halberstadt.de/de/barrierefreier_tourismus1.html

Wernigerode
Die Wernigerode Tourismus GmbH informiert auf ihrer Internetseite z.B. über:

  • Barrierefreie Stadt- und Themenführungen
  • Führungen mit dem Gebärdendolmetscher
  • Fahrten mit der Kleinbahn zum Schloß Wernigerode
  • Fahrten mit den Harzer Schmalspurbahnen
  • Bürgerpark mit Miniaturenpark "Kleiner Harz", der demnach ein völlig barrierefrei gestalteter Bürgerpark ist.
  • Eine entsprechende Museumsübersicht

http://www.wernigerode-tourismus.de/urlaubsthemen-wernigerode/wernigerode-barrierefrei/barrierefreie-angebote.html

Gartenreich Dessau-Wörlitz
Das Gartenreich Dessau-Wörlitz gehört seit dem Jahr 2000 zum Weltkulturerbe UNESCO. Schlösser, Parkanlagen und viele Kleinarchitekturen sind in diese unvergleichliche Kulturlandschaft eingebettet. Die Kulturstiftung Dessau-Wörlitz heißt alle Gäste der Wörlitzer Anlagen herzlich willkommen. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Besuchern im Rollstuhl und ihren Angehörigen. Zur Vorbereitung eines Besuches in den Wörlitzer Anlagen wurde ein Informationsplan für Rollstuhlfahrer mit Ampelsystem entwickelt.
http://www.gartenreich.com/de/besuchen/schloesser-und-gaerten/woerlitz/Woerlitztexte/rollstuhlinfo.html

Weitere ausgewählte Links

  • Seit November 2005 gibt es in Deutschland den elektronischen Reisepass (ePass). Auf dem Chip des ePasses werden ein Passfoto sowie zwei Fingerabdrücke gespeichert. Für Menschen, denen es nicht möglich ist, das geforderte Passbild beziehungsweise Fingerabdrücke zu liefern, gibt es ein vom BMI herausgegebenes Informationsblatt ePass - Besonderheiten bei Aufnahme
  • Die Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle ist die zentrale Anlaufstelle bei Fragen rund um das Thema "Barrierefreies Reisen" und "Tourismus für Alle". Auf dieser Seite findet man zahlreiche Informationen zum Thema Barrierefreiheit und Tourismus für Alle. Neben Berichten zu Projekten, findet man aktuelle Meldungen zum Thema Barrierefreiheit und erhält hilfreiche Reiseinformationen. http://www.natko.de
  • Webportal des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales für Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen, Verwaltungen und Unternehmen informiert zum Barrierefreien Reisen: http://www.einfach-teilhaben.de/DE/StdS/Mobilitaet/Barrierefrei_reisen/barrierefrei_reisen_node.html
  • Informationsportal für Reisende mit Servicebedarf: http://www.barrierefreier-tourismus.info
  • Informationen zum "Tourismus für Alle - Barrierefreies Reisen in Sachsen-Anhalt" finden Sie hier: http://www.sachsen-anhalt-tourismus.de/xxl/de/barrierefrei/index.html
  • barrierefreie Aktionsangebote für 7 Städte Sachsen-Anhalts: http://www.stadtsprung.de/aktionspauschalen/
  • Flyer Magdeburg - barrierefrei erleben
  • Sammlung von Hinweisen, Daten und Tipps zum barrierefreien Tourismus in Berlin und Umgebung: http://www.mobidat.net/barrierefrei-leben/tourismusfreizeit/
  • Ein Gastgeberverzeichnis für mobilitätsbehinderte Menschen, beinhaltet europaweit Beherbergungsstätten, aber auch ausgewählte in Deutschland, hier der Hinweis für Sachsen-Anhalt: http://www.handicaptours.de/index.php?cPath=1_45
  • Ein Musterbeispiel für barrierefreie Erholung: Das Haus Rheinsberg Hotel am See wurde eigens für Menschen mit Behinderung gebaut und bietet seinen Gästen einen ganz besonderen Komfort und einen herausragenden Service. Es wurde ein Hotel verwirklicht, das für Menschen mit körperlicher Behinderung, ihre Partner, Kinder und Freunde einen Ort schafft, der den inklusiven Charakter einer modernen Gemeinschaft zum Ausdruck bringt. Zum Hotel gehören neben der traumhaften Seelage 107 barrierefrei ausgestattete Zimmer mit 183 Betten und 6 barrierefreie Appartements mit 26 Betten. http://www.hausrheinsberg.de
  • "Tourismus für Alle" Handbuch barrierefreier Tourismus in Sachsen-Anhalt: "Dieses Handbuch, das gemeinsam von den für Tourismus und Soziales zuständigen Landesministerien in Auftrag gegeben wurde, vermittelt einen umfassenden Überblick über den Stand des barrierefreien Tourismus in Sachsen-Anhalt. Die detaillierte Situationsanalyse ist zugleich eine wichtige Argumentationshilfe für die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung. Ein weiterer Schwerpunkt sind Handlungsempfehlungen sowie Hinweise auf Hilfsmittel und Arbeitsmaterialien. Darüber hinaus werden bewährte Modellprojekte vorgestellt. Damit wird das Handbuch auch für Unternehmen interessant, die Angebote für barrierefreien Tourismus erarbeiten, optimieren und vermarkten wollen." Tourismus für alle
  • Touristische Servicekette: Um die allgemeinen Bedürfnisse der Menschen bezüglich Reisen aufzuzeigen, wurde die touristische Servicekette kreiert. Nur wenn alle Punkte lückenlos erfüllt werden, kann der Urlaub nachhaltig genossen werden. Nachzulesen in den von der Natko herausgegebenen Handlungsempfehlungen zum Gesundheitstourismus in Deutschland: Handlungsempfehlung zum Gesundheitstourismus in Deutschland

Gesetze und Verordnungen in Sachsen-Anhalt

Landesaktionsplan zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung

In Sachsen-Anhalt ist im Landesaktionsplan zur Umsetzung des Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderung („einfach machen“ - Unser Weg in eine inklusive Gesellschaft), zu finden in der Navigationsleiste dieses Wikis, der Fahrplan zu einer inklusiven Gesellschaft festgeschrieben worden. Dieser wurde am 15. Januar 2013 von der Landesregierung SA beschlossen. Im Absatz 5.6 Sport, Kultur und Tourismus sind die Ziele für die nächsten Jahre fixiert.
Landesaktionsplan Sachsen-Anhalt

Gesetze und Verordnungen

Wichtige Gesetze und Verordnungen für das Gaststättengewerbe sind die Gewerbeordnung (GewO), das Gaststättengesetz (GastG) und die Gaststättenverordnung (GastVO LSA).
Besonders zu beachten ist weiterhin die Bauordnung des Landes Sachsen-Anhalt (BauO LSA) Abschnitt 6, Technische Gebäudeausrüstung - §§ 42, 50 sanitäre Anlagen sowie die Verordnung über den Bau und Betrieb von Versammlungsstätten (Versammlungsstättenverordnung – VstättVO) - §12 und §24

Landtagsbeschlüsse

Stärkung des barrierefreien Tourismus in Sachsen-Anhalt

"Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat in der 34. Sitzung zu Drucksache 6/1586 folgenden Beschluss gefasst:

Die Landesregierung ist gebeten,

1. in Zusammenarbeit mit den kommunalen Spitzenverbänden, den Unternehmens- und Tourismusverbänden und dem Allgemeinen Behindertenverband in SachsenAnhalt e. V. eine Leitlinie für barrierefreien Tourismus in Sachsen-Anhalt zu entwickeln;

2. darauf hinzuwirken, dass Wirtschaft, öffentlicher Personenfern- und Nahverkehr, die Kommunen des Landes und die gesamte Tourismusbranche im Land für Barrierefreiheit mit dem Ziel zu sensibilisieren,sich eigenverantwortlich an Maßnahmen zur Herstellung von Barrierefreiheit zu beteiligen;

3. weiterhin die Entwicklung und Vermarktung barrierefreier Angebote und Dienstleistungen zu unterstützen, wegweisende Modellprojekte auf Landesebene zu fördern und diese bundesweit bekannt zu machen;

4. gemeinsam mit der Architekten- und der Ingenieurkammer, Bauinnungen, Handwerkskammern, Industrie- und Handelskammern, DEHOGA und Allgemeinen Behindertenverband in Sachsen-Anhalt e. V. für barrierefreies Bauen im Tourismus zu sensibilisieren;

5. sich auf Bundesebene für die Schaffung einheitlicher, bundesweit gültiger Kriterien für barrierefreien Tourismus einzusetzen;

6. in den Ausschüssen für Wissenschaft und Wirtschaft sowie für Arbeit und Soziales über ihre Aktivitäten zu berichten."
(Quelle: Stärkung des barrierefreien Tourismus in Sachsen-Anhalt)

Abschlussbericht

Abschlussbericht zur Durchführung des Projektes „Touristische Angebote“ des Kompetenzzentrums für Barrierefreiheit in Sachsen-Anhalt

Ziel und Aufgabe für das Projekt war das Anlegen einer Material- und Datensammlung zum Barrierefreien Tourismus und touristischer Angebote in Sachsen-Anhalt. Es erfolgte eine Zusammenstellung von Daten; Bundes- und Landesgesetzen; Landesverordnungen und Landesrichtlinien zur Gewährleistung einer barrierefreien touristischen Angebotskette in Sachsen-Anhalt. Die Ergebnisse und der Projektverlauf wurden in das Wiki eingestellt und stehen dem Wiki des Kompetenzzentrums für Barrierefreiheit in Sachsen-Anhalt und der Öffentlichkeit zur Verfügung. Als Ausgangspunkt für das Aufbereiten der verschiedensten Daten wurde die Schaffung einer Struktur gewählt, die die Gesetze nach ihrer Wichtigkeit und ihres Geltungsbereiches erfasst.

Grundlage aller weiteren Gesetzgebungen ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland. Es ist eine der wichtigsten gesetzlichen Grundlagen für die Gleichberechtigung behinderter Menschen im Alltag, das trifft also auch für Reise- und Kulturangebote zu. Ebenso wichtig ist die UN-Behindertenrechtskonvention, insbesondere Art. 30 UN-Behindertenrechtskonvention – Teilhabe am kulturellen Leben sowie an Erholung, Freizeit und Sport. Das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen, Behindertengleichstellungsgesetz – BGG, bildet die rechtliche Grundlage, die insbesondere Organe der öffentlichen Gewalt zur Gleichstellung Behinderter verpflichtet. Es hat zum Ziel im öffentlichen Raum Gleichberechtigung herzustellen durch die Umsetzung von Barrierefreiheit, sodass möglichst jeder behinderte Mensch seine Rechte wahrnehmen kann. Für den Bereich Tourismus treffen auch verschiedene DIN Normen zu, zum Beispiel die DIN 32975 (Gestaltung visueller Informationen im öffentlichen Raum zur barrierefreien Nutzung) und die DIN 32984 2011 - 10 (Bodenindikatoren im öffentlichen Raum).

Der Deutsche Hotel und Gaststättenverband (DEHOGA) und die Behindertenverbände haben 2005 eine Zielvereinbarung über die Hotelklassifizierung abschlossen. DEHOGA und die Verbände arbeiten nun an der Weiterentwicklung dieses Instruments. Mindeststandards für barrierefreie Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe für gehbehinderte Gäste und Rollstuhlnutzer, für blinde und sehbehinderte Gäste, für gehörlose und schwerhörige Gäste sind vereinbart worden und stehen jedem als Information zur Verfügung. Ziel ist eine bundesweit einheitliche Kennzeichnung von barrierefreien Hotels und Restaurants. Dies trägt dazu bei, die Flut von unterschiedlichen Piktogrammen der Länder und Regionen einzudämmen. Dies ist ein wichtiger Beitrag dafür, dass Menschen mit Mobilitätseinschränkungen genauso einfach eine Reise unternehmen können wie alle anderen auch.

Trotz aller Fortschritte ist es notwendig, weiterhin differenziert Angebote im Bereich barrierefreien Tourismus herauszufinden und den Nutzerinnen und Nutzern als Unterstützung an die Hand zu geben. Die touristische Servicekette setzt sich aus verschiedenen Elementen (Informieren/Planen, An- und Abreise, Orientierung, Unterkunft, Assistenz, Essen, Freizeit, Unterhaltung, Einkaufen, Erinnern) zusammen, die alle stimmen müssen. Beispielgebend ist hier das Projekt “Entwicklung und Vermarktung barrierefreier Angebote und Dienstleistungen im Sinne eines Tourismus für Alle in Deutschland”. Es ist ein vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördertes Kooperationsprojekt des Deutschen Seminar für Tourismus (DSFT) Berlin e.V. und der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für Alle e.V. (NatKo). Ziel des gemeinsamen Projektvorhabens von DSFT und NatKo ist die Entwicklung und Vermarktung barrierefreier Angebote und Dienstleistungen, die sich primär an den z. T. spezifischen Wünschen und Bedürfnissen der Gäste ausrichten und dabei den Anbietern bessere Möglichkeiten einer erfolgreichen Profilierung bieten. Dieses Projekt gilt es für die Zukunft weiter im Interesse von Sachsen-Anhalt zu verfolgen und entsprechend den Möglichkeiten und Wünschen im Wiki zu dokumentieren.

Fazit: Viele Touristinformationsstellen und Stadtinformationen geben auf ihren Internetseiten Hinweise zu barrierefreien Angeboten. Diese wurden oft in Zusammenarbeit mit Betroffenenverbänden erstellt und untersucht. Eine Garantie für die Richtigkeit kann aufgrund subjektiver Einschätzung nicht 100%ig gewährleistet werden. Diese Erfahrungen hat die Autorin in der Vergangenheit durch eigene Untersuchungen mit Betroffenen oft machen müssen. Angesprochen auf die Defizite der Barrierefreiheit wurden mehrfach höhere finanzielle Aufwendungen als Hinderungsgrund genannt. Andere Gründe, beispielsweise bei historischen Gebäuden (Museen, Gedenkstätten), sind Auflagen des Denkmalschutzes. Ein allumfassendes Wiki zu touristischen Angeboten in Sachsen Anhalt ist in dem ersten Schritt nicht erreichbar, da das Angebot äußerst vielschichtig und in ständiger temporärer Veränderung ist. Was heute noch zutrifft, ist morgen schon passé.

Zu gesetzlichen Grundlagen wird umfassend informiert und durch die Verlinkung kann jeder Paragraph nachgelesen werden. Bei Interesse der Wiki-Nutzer sind die Hinweise zu weiterführenden Seiten vielseitig und umfangreich.

Gundula Brett


Bearbeitungsstand: 30. November 2013
Zahna-Elster, der 11. Dezember 2013, Seite überarbeitet von Nicole Stoib